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Interview
Zurück 12. Dezember 2025André Kohlschütter (Trainer - FSV 1990 Neusalza-Spremberg) und Fred Wonneberger (Trainer - FSV Oderwitz 02)
Frank Thümmler: Der Meisterschaftskampf in der Fußball-Landesklasse Ost ist spannend wie nie. Drei Mannschaften aus dem Landkreis stehen auf den ersten drei Plätzen. Der FSV Neusalza-Spremberg hat mit 31 Punkten aus den 15 Hinrundenspielen nach dem Derby gegen Oderwitz (1:1) den Gewinn der inoffiziellen Herbstmeisterschaft in Tschechien zünftig gefeiert. Eintracht Niesky lauert mit seiner jungen Truppe nur zwei Punkte dahinter und wird in Rückrunde mit der Ausnahme Odewitz alle „schwierigen Gegner“ zu Hause empfangen. Und der FSV Oderwitz hat aktuell vier Punkte Rückstand auf Neusalza, aber noch ein Nachholspiel beim Schlusslicht NFV Gelb-Weiß Görlitz offen und hofft zudem, dass das Sportgerichtsurteil zurückgenommen wird, das einen 2:1-Heimsieg über Hoyerswerda in eine 0:2-Niederlage umwandelte. Mit sechs Punkten mehr würden die Oderwitzer also nach der Hinrunde die Tabelle anführen – Herbstmeister hin oder her. Mit André Kohlschütter (Neusalza) und Fred Wonneberger (Oderwitz) stellten sich die Trainer der beiden Teams aus dem Kreissüden (getrennt) dem Halbseriengespräch.
Herr Kohlschütter und Herr Wonneberger: Sie stehen aktuell vorn in der Tabelle. Entspricht das Ihren Erwartungen vor der Saison oder hatten Sie sich vielleicht noch mehr Punkte ausgerechnet?
André Kohlschütter: Wir wollten vorn mit dabei sein. Die 31 Punkte entsprechen eher unserem Minimalziel. Bis auf die erste Halbserie nach meiner Rückkehr hatten wir immer über 30 Punkte geholt. Die vier Niederlagen sind natürlich das Manko. Ich glaube auch, dass wir nicht alle diese vier Spiele verlieren mussten. Zwei, drei Punkte hätten uns schon gut zu Gesicht gestanden.
Fred Wonneberger: Als Vierter der Vorsaison wollten wir schon vorn mitspielen. Dass wir jetzt richtig vorn mitmischen, hätten wir aber zu Saisonbeginn nicht gedacht. Wir hatten als Ziel so an 25 Punkte gedacht. Jetzt sind es 27 und es könnten ja noch ein paar mehr werden. Wir stehen zum Jahreswechsel besser da als erwartet.
Frank Thümmler: Neusalza ist stark mit einer Siegesserie gestartet, bekam dann ein paar Probleme. Bei Oderwitz war der Trend genau andersherum? Was sind die Ursachen?
André Kohlschütter: Dass es nach der 4:3-Niederlage in Bischofswerda so negativ weitergeht, hatten wir nicht erwartet. Wir haben es dann nicht mehr geschafft, wirklich in unseren Rhythmus zu finden. Man darf nicht vergessen, dass für viele Gegner das Spiel für uns eins ohne Druck ist, sie eigentlich mit einer Niederlage rechnen. Da lässt sich freier aufspielen. Und wenn sie dann merken, dass etwas geht, kommt dann die Moral. Wir haben dann Probleme, erst recht, wenn es körperlicher wird. Gerade beim kämpferischen werden wir in der Rückrunde zulegen müssen.
Fred Wonneberger: Wir haben nach unserer sehr intensiven Vorbereitung gewusst, dass es gerade am Anfang schwierig werden würde. Wir waren zu Saisonbeginn einfach noch nicht fit, sondern noch im Aufbau. Das hat seine Zeit gebraucht. In der zweiten Hälfte der Hinrunde haben wir dann von unserer Vorbereitung profitiert. Mit der spielerischen Entwicklung insgesamt bin ich zufrieden.
Frank Thümmler: Ist der Aufstieg jetzt das große Ziel?
André Kohlschütter: Wenn wir am Ende Erster werden, ist klar, dass wir auch aufsteigen wollen, aber auch nur als Erster. Aber die anderen haben auch nicht geschlafen. Oderwitz hat eine junge, engagierte Truppe zusammengestellt. Niesky hat schon lange eine solche Mannschaft und sie auch zusammengehalten. Es wird eine enge Kiste bis zum Schluss.
Fred Wonneberger: Das Thema Aufstieg ist immer eine Grundfrage, die wir vorher geklärt haben. Wenn wir vorn dabei sind und die Chance haben, werden wir sie auch ergreifen. Das war für mich persönlich auch eine Grundvoraussetzung hier in Oderwitz. In diesem Fall wird der Verein alles dafür tun, die Voraussetzungen dafür zu schaffen. Aber der Aufstieg in dieser Saison ist nicht unser primäres Ziel. Es geht darum, die Mannschaft und den Verein weiterzuentwickeln. Wir dürfen nicht vergessen, wo wir herkommen.
Frank Thümmler: Nun stehen Sie zur Winterpause zumindest mit an der Tabellensitze. Verstärken Sie das Team für den Titelkampf in der Winterpause nochmal oder vertrauen Sie dem aktuellen Kader?
André Kohlschütter: Wir sondieren den Markt wie immer, werden in der Breite aber nichts machen. Wenn, dann holen wir nur Spieler, die uns in der Spitze echt verstärken. In der Defensive oder in der Offensive. Aber das ist im Winter immer sehr schwierig. Ansonsten machen wir aber nichts.
Fred Wonneberger: Wir wollen weiter den Weg gehen, unsere Mannschaft kontinuierlich zu verstärken, ohne dramatische Sachen zu machen. Wir werden auch in der Winterpause versuchen, den Kader in der Breite zu verstärken, Alternativen für einige Positionen zu finden.
Frank Thümmler: Das letzte Saisonspiel wird das Derby Neusalza-Spremberg gegen Oderwitz. Wird das das Titel-Endspiel?
André Kohlschütter: Ehrlich gesagt hoffe ich, dass es bis dahin schon zu unseren Gunsten entschieden ist. Sonst wird es wirklich ein Herzschlagfinale.
Fred Wonneberger: Das ist eine ganz schwere Frage. Das alles hängt zum Beispiel auch von Verletzungen ab. Aber ich denke schon, von der Qualität der Kader her: Wenn nichts Dramatisches passiert, wird die Meisterschaft am letzten Spieltag entschieden.












